Frauen lesen Frauen_3

Frauen lesen Frauen. #3

Eine Kolumne von Diana Wick Rossi

Sommerferien-Must-Reads. 

Der Sommer hat seine eigenen Rituale: ein Badetuch im Gras, Sand zwischen den Zehen, der Geruch von Sonnencreme und ein Buch, das uns für ein paar Stunden aus der Welt hebt. Ganz gleich, an welchem See, an welchem Meer oder auf welchem Balkon dieser Sommer 2026 stattfindet: Diese Romane gehören mit ins Gepäck.  

Die Auswahl ist, rudimentär über einen Kamm gestrählt, etwas zum Lachen, zum Nachdenken, zum Wundern. Etwas von Liebe, die zerbricht, von Freundschaft. Sie sind mehr als Unterhaltung.

«Gute Bücher bringen uns zum Lachen, zum Nachdenken, manchmal auch zum Weinen.»

Sie erzählen von Freundschaft, Verlust, Liebe, Selbstfindung und davon, wie Frauen ihren eigenen Weg gehen. 

Für diesen Sommer haben wir keine reine Neuheitenliste, sondern Bücher, die uns in den letzten Jahren besonders begleitet haben.  

Das Jahr des magischen Denkens, Joan Didion.

Das Jahr des magischen Denkens, Joan Didion.

Wer Joan Didion nicht kennt, sollte dies unbedingt diesen Sommer ändern. Sie gehört zu den ganz grossen Stimmen der amerikanischen Literatur und hat über Jahrzehnte über Politik, Gesellschaft und das Leben geschrieben.  

Dieses Buch aber schrieb sie nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes, der ebenfalls Schriftsteller war: John Gregory Dunne. Sie beschreibt das Jahr danach, wie der Verstand versucht zu verstehen, was nicht zu verstehen ist, wie Trauer funktioniert. Und wie wir uns an ganz kleinen, irrationalen Gedanken festhalten. Etwa an der Vorstellung, dass ein Mensch vielleicht doch noch zurückkommt. 

Auf allen Vieren, Miranda July.  

Was wurde dieses Buch auf und ab besprochen. Um July wirklich zu begreifen, muss man kurz auf ihren Insta-Account. July ist Autorin, Filmemacherin und Performance-Künstlerin. Sie spricht und tanzt und schreibt über Körper, Beziehungen, Begehren. Und das äusserst explizit.

Auf allen Vieren beginnt scheinbar unspektakulär: Eine Frau plant eine Reise quer durch Amerika, fährt aber nach 30 Minuten von der Autobahn und mietet sich in ein Hotel ein. Dort bleibt sie und trifft dort ihren jungen Lover. Mit dem hat sie vor allem eines: keinen Sex. Mit einer Frau dafür schon, immerhin. Hier geht es um die Lebensmitte, um weibliche Freiheit und um ganz viele Fragezeichen während des Lebens. Genau deshalb ist das Buch aber so lesenswert. Das Leben braucht ja nicht immer einen Punkt.  

Kitchen, Banana Yoshimoto.

Yoshimoto gehört seit den 80ern zu den wohl wichtigsten japanischen Autorinnen. Ihr Debüt Kitchen machte sie über Nacht berühmt. Es ist eines jener Bücher, die es ganz unspektakulär ins Regal der Lieblingsbücher schaffen.  
 
Der Roman erzählt von Mikage, die nach dem Tod ihrer Grossmutter plötzlich völlig allein ist. In dieser Situation wird sie von Yuichi einem Bekannten, eingeladen, bei ihm und seiner Mutter einzuziehen. Die drei bilden nun eine ziemlich ungewöhnliche Wohngemeinschaft, die langsam zu einer Art Familie wird. Der Mittelpunkt des Geschehens: die Küche, wo gekocht, gegessen, geredet wird. Und wo langsam wieder so etwas wie Hoffnung entsteht. 

Seinetwegen, Zora del Buono.

Zora del Buono gewann 2024 den Schweizer Buchpreis. Als sie ganz klein war, verlor sie ihren Vater und geht in diese Buch auf die Suche nach dessen Töter. So nennt sie den Mann, der mit seinem Auto in das ihres Vaters prallte. Sie versucht herauszufinden, was genau geschah, was dieser Mann nun macht, wie der Unfall ihn geprägt hat. Dabei entstand kein klassischer Roman, sondern eine Art Recherche-Journal. Aber auch eine literarische Spurensuche. 

Aber so einfach ist es dann doch nicht, mit dem Traum von Ruhe: Haushofer romantisiert das Ganze nicht. Die Einsamkeit ist real, brutal und manchmal kaum auszuhalten, ja, das Buch schreit wahrlich vor lauter Stille.

Das Liebespaar des Jahrhunderts, Julia Schoch. 

Dieses Buch gehört der Trilogie «Biographie einer Frau» an. Es beginnt mit einem Satz, der sofort hängen bleibt: Eine Frau erzählt nämlich, dass sie ihren Mann nach vielen Jahren verlassen wird. Aus der Erkenntnis heraus, dass ihre Liebe irgendwann verschwunden sei. Von diesem Moment an blickt die Protagonistin zurück auf ihre Beziehung: aufs Kennenlernen, die gemeinsamen Kinder, die Alltagsroutinen. Julia Schoch beschreibt darin sehr genau, wie die Liebe sich verändert, wie sie wächst, schrumpft, sich verwandelt, manchmal auch langsam verschwindet, ohne dass man genau sagen kann, wann das passiert ist.

Was daran so grossartig ist? Schochs Ehrlichkeit. Das Buch urteilt in keinem Satz über die Kompliziertheit der Beziehungen und sucht auch keinerlei Antworten. Es stellt ganz einfach die Fragen, die wir uns hin und wieder selber stellen: Wie lange kann Liebe dauern? Wann bleibt man? Wann geht man?

Morgen, morgen und wieder morgen, Gabrielle Zevin.

Einer meiner Lieblingsromane 2025. Und ein internationaler Bestseller. Kein Wunder: die Geschichte ist mehr als grossartig. Im Zentrum stehen Sam und Sadie. Sie lernen sich als Kinder in einem Krankenhaus kennen, verlieren sich wieder aus den Augen und begegnen sich Jahre später als junge Erwachsene erneut.   
 
Aus ihrer gemeinsamen Leidenschaft für Videospiele entsteht eine kreative Partnerschaft. Zusammen entwickeln sie Games und werden sehr, sehr erfolgreich. Doch eigentlich geht es bei diesem Roman nicht ums Gamen, sondern um etwas viel Grösseres: um eine Freundschaft, die einen das ganze Leben begleitet. Es zeigt, dass die wichtigsten Beziehungen in unserem Leben nicht immer Liebesgeschichten sind. 

Alte Liebe, Elke Heidenreich und Bernd Schroeder.

Wer kennt sie nicht, Elke Heidenreich, die wohl bekannteste Literaturvermittlerin im deutschsprachigen Raum. Und selbst Autorin. Dieses Buch hat etwas ganz Besonderes an sich: Es erzählt von einem Ehepaar, mal aus ihrer, mal aus seiner Perspektive. Lore und Harry haben schon ein ganzes Leben miteinander verbracht. Ihre Tochter heiratet bald und während sie gemeinsam auf diesen Anlass schauen, beginnen sie über ihre eigene Beziehung nachzudenken.  
 
Dabei entstehen Gespräche und kleine Beobachtungen aus einem langen gemeinsamen Leben. Gewohnheiten, Enttäuschungen, Nähe. Es ist ein wunderwunderwunderschöner Roman über Respekt und über das Zusammenbleiben.

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MEHR ZUR AUTORIN

Diana Wick Rossi ist seit 2022 Vorstandsmitglied der Frauenzentrale Zürich. Sie verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Werbung und besitzt fundierte Kenntnisse im Markenaufbau und in der Kommunikation. In ihrer Freizeit liest Diana leidenschaftlich gerne, vor allem Bücher von Frauen.

Dir hat die Kolumne gefallen? Hier geht es zum ersten und zweiten Teil.

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