Elfmal steht sie auf der Strasse, spricht mit Wähler:innen, bleibt konsequent bei lokalen Themen – und zieht dabei immer denselben grünen Mantel an. Am Ende gewinnt sie – mit 31 Stimmen Vorsprung. Lea Lutz-Knobel zeigt wie aus Engagement, Präsenz und richtiger Unterstützung politische Realität wird.
Frauenzentrale Zürich (FZ): Lea Lutz-Knobel, vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst.
FZ: 31 Stimmen haben am Ende den Unterschied gemacht. Wusstest du, dass es so knapp wird?
Lea Lutz-Knobel (LLK): Ich habe damit gerechnet, dass es sehr knapp wird. Ich habe ein Jahr vorher die Resultate der letzten Legislaturen analysiert und geschaut: Hast du überhaupt eine Chance? Willst du das überhaupt machen oder nicht? Natürlich weiss man da noch nicht, wer antritt. Aber ich hatte schon das Gefühl: Ich könnte eine Chance haben, aber es wird knapp werden. Und genau so war es dann auch – ich bin auf dem letzten Platz gerade noch reingekommen. Dank 31 Stimmen – nur 25 über dem absoluten Mehr.
FZ: Du bist strategisch vorgegangen – wie sah dein Wahlkampf konkret aus?
LLK: Ich habe wirklich alles gegeben. War in der heissen Phase elfmal auf der Strasse, jeweils etwa drei Stunden. Und habe täglich auf Social Media gepostet. Das neben einem 50-Prozent-Job, Kindern und Haushalt. Du musst bei jedem Kontakt Energie geben.
Das braucht viel Energie. Wenn du alles gibst, arbeitest, dich zeigst und vielleicht noch bis spät an Anlässen unterwegs bist und dann wieder auf der Strasse stehst und am Sonntag noch Reels drehst und schneidest – das ist schon intensiv.
FZ: Gab es einen Moment, der dich politisch besonders geprägt hat?
LLK: Ich war mit 13 an der Jugendsession in Bern, hatte später als Hobby das Jugendparlament des Kantons Zug aufgebaut, ging als Erwachsene als eine der wenigen jüngeren Frauen zu den Gemeindeversammlungen – als Ausgang quasi. Ein Schlüsselmoment war ein grosses Bauprojekt in Meilen. Ich fand das nicht richtig und habe mich mit einigen Leuten dagegen engagiert – gegen den Gesamtgemeinderat, gegen praktisch alle Parteien.
Wir haben es geschafft, 600 Leute an die Gemeindeversammlung zu bringen, normalerweise nehmen nur ca. 400 teil. Es musste per Live-Übertragung in einen zweiten Saal übertragen werden. Wir haben zwar haushoch verloren, aber dieses Gefühl, dass man überhaupt so viel bewegen kann – das war stark. Und gleichzeitig war mir wichtig: Wenn das Volk entscheidet, akzeptierst du das.
«Man muss in der Politik auch gut verlieren können.»
FZ: Du kommst nicht aus der klassischen Parteikarriere, deine Partei, die GLP, gibt es in Meilen noch nicht so lange – was denkst du, hat zu deinem Wahlsieg geführt?
LLK: Ich war Präsidentin des Elternforums in Meilen und habe das komplett neu aufgebaut – Elternbildungsangebote, Kurse, Schulwegsicherheit. Das war alles ehrenamtlich, aber es hat mir Kraft gegeben. Du merkst: Wir bauen hier wirklich etwas auf. Die Leute sehen das. Sie merken: Die hat Ideen, sie kann etwas bewegen, sie packt es an. Das hat mir im Wahlkampf sicher viele Stimmen gebracht.
Für mich war schon länger klar, dass ich kandidieren will. Aber der Zeitpunkt muss stimmen. Jetzt sind die Kinder grösser, die Situation stabiler – und ich wusste: Jetzt ist der richtige Moment für mich.
FZ: Welche Rolle hat das Mentoring dabei gespielt?
LLK: Ich hab erstmals über Social Media von eurem Mentoring erfahren und dachte zuerst: Das ist mir zu links. Und dann hat es mich doch gereizt und ich habe ich mich angemeldet. Zum Glück, denn es war ein gewaltiges Empowerment.
Sich etwas vorzunehmen ist das eine. Es dann wirklich zu machen, etwas anderes.
Der grösste Mehrwert waren für mich die Trainings. Gerade Auftritt, Podium, Wirkung – das hat mir extrem geholfen und ich habe an Selbstbewusstsein gewonnen. Und in den Trainings mit Politikerinnen habe ich Know-how über politische Prozesse und Wahlkampfstrategien bekommen und obendrauf ein Netzwerk. Auch wenn ich nicht gewählt worden wäre: Ich habe dadurch fürs Leben gelernt und so oder so gewonnen.
FZ: Was hat für dich im Wahlkampf konkret funktioniert?
LLK: Ich habe mir sehr bewusst überlegt, wie ich auftrete. Für die Plakate hatte ich einen knallblauen Anzug, den habe ich auch am Podiumsanlass getragen. Und draussen im Wahlkampf immer denselben knallgrünen Mantel. Diesen trug ich auch konsequent in allen Reels auf Instagram und Facebook. In Meilen wussten die Leute irgendwann: die mit dem grünen Mantel – das bin ich.
Und inhaltlich habe ich bewusst auf lokale Themen gesetzt. Ich kandidiere für den Gemeinderat, also rede ich über Meilen. Wenn nationale Themen kamen, habe ich kurz geantwortet und dann zurückgelenkt: Was gefällt Ihnen an Meilen? Wo könnte es besser werden?
FZ: Und was treibt dich heute an?
LLK: Menschen für Demokratie zu begeistern. Dass sie zur Gemeindeversammlung gehen, mitreden, abstimmen. Weil am Ende entscheiden manchmal nur 31 Stimmen – JEDE:R kann einen Unterschied machen.
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Wir gratulieren Lea Lutz-Knobel ganz herzlich zum Wahlsieg und wünschen ihr viel Erfolg für die kommende Amtszeit.
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Viel Spass beim Lesen!