Doppelnamen_Variationen

Die Rückkehr der Doppelnamen: Ein Schritt für Selbstbestimmung und Identität

Text: Alexandra Müller

Nach jahrelanger politischer Debatte ist es nun entschieden: In der Schweiz kehren die Doppelnamen zurück. Verheiratete Paare dürfen künftig ihre Nachnamen wieder kombinieren – mit oder ohne Bindestrich, und sogar unter Einbezug von Namen aus früheren Ehen. Was auf den ersten Blick wie eine formale Anpassung wirkt, ist in Wahrheit ein bedeutender Schritt in Richtung Selbstbestimmung und Gleichstellung.

Die Abschaffung der Doppelnamen im Jahr 2013 wurde damals mit dem Ziel begründet, die Gleichstellung von Mann und Frau zu fördern. In der Praxis zeigte sich jedoch ein anderes Bild: Noch immer übernahmen in den meisten Fällen Frauen den Namen ihres Ehemannes. Die vermeintliche Vereinfachung führte also nicht zu mehr Gleichberechtigung, sondern zementierte bestehende Rollenbilder teilweise sogar weiter. 

Die Wiedereinführung der Doppelnamen setzt genau hier an. Sie schafft neue Freiheiten und ermöglicht Paaren, ihre Identität individueller zu gestalten. Besonders für Frauen ist das ein wichtiger Fortschritt. Denn der eigene Name ist weit mehr als eine Formalität – er steht für die eigene Geschichte, die eigene Leistung und die eigene Identität. Viele Frauen haben sich über Jahre hinweg einen Namen aufgebaut, beruflich wie privat. Diesen bei einer Heirat aufgeben zu müssen, fühlte sich für viele nicht mehr zeitgemäss an. 

Türklingel_Doppelnamen
2 Namensvarianten bei einem verheirateten Paar.

Mit der neuen Regelung entsteht nun die Möglichkeit, beide Identitäten sichtbar zu machen und miteinander zu verbinden. Ein Doppelname kann Ausdruck einer Partnerschaft auf Augenhöhe sein, in der nicht eine Person ihre Identität zugunsten der anderen aufgibt. Gerade in einer Zeit, in der Gleichstellung nicht nur ein politisches Schlagwort, sondern gelebte Realität sein sollte, ist das ein wichtiges Signal. 

Auch gesellschaftlich hat dieser Entscheid Gewicht. Namen sind Teil unserer Sichtbarkeit. Sie zeigen Zugehörigkeit, Herkunft und oft auch persönliche Entwicklung. Dass Paare nun mehr Freiheit in der Namenswahl haben, stärkt die Vielfalt von Lebensentwürfen und Familienmodellen. Es anerkennt, dass es nicht die eine «richtige» Form gibt, sondern viele gleichwertige Wege. 

«Kinder sind von der Regelung ausgeschlossen.» 

Gleichzeitig bringt die neue Gesetzeslage auch eine Einschränkung mit sich, die kritisch betrachtet werden muss: Kinder sind von der Regelung ausgeschlossen. Sie dürfen weiterhin keinen Doppelnamen tragen, sondern erhalten lediglich einen der beiden elterlichen Namen, den die Eltern im Voraus bestimmen müssen. 

Gerade aus einer Perspektive der Gleichstellung und Identität wirft das Fragen auf. Wenn es für Erwachsene möglich ist, beide Namen zu tragen und damit ihre Geschichte sichtbar zu machen, warum gilt das nicht auch für Kinder? Der Name eines Kindes ist ein zentraler Teil seiner Identität und seiner Verbindung zu beiden Elternteilen. Die aktuelle Regelung zwingt Eltern weiterhin zu einer Entscheidung, die symbolisch eine Seite stärker gewichtet als die andere. 

Hier zeigt sich, dass die Gesetzesänderung zwar ein wichtiger Fortschritt ist, aber noch nicht konsequent zu Ende gedacht wurde. Eine echte Gleichstellung würde bedeuten, dass auch Kinder die Möglichkeit erhalten, beide familiären Linien in ihrem Namen zu tragen. 

Trotz dieser Einschränkung bleibt die Wiedereinführung der Doppelnamen ein positives Signal. Sie zeigt, dass gesellschaftliche Bedürfnisse gehört werden und dass Gesetze sich weiterentwickeln können. Für viele Frauen bedeutet diese Änderung ein Stück zurückgewonnene Selbstbestimmung und die Möglichkeit, ihren eigenen Weg sichtbar weiterzugehen, auch innerhalb einer Ehe. 

Jetzt gilt es, diesen Weg weiterzudenken. Denn Gleichstellung endet nicht beim Namen – aber sie beginnt oft genau dort. 

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