Text: Cheyenne Hoch
Sommerzeit ist Lesezeit – und eine gute Gelegenheit, sich mit feministischen Perspektiven auseinanderzusetzen, die zum Nachdenken, Weiterdenken und Umdenken anregen. Unsere diesjährige Buchempfehlungsliste versammelt sechs Werke, die sich mit Geschlechter(un)gerechtigkeit, Rollenbildern, Erschöpfung, Selbstermächtigung und Solidarität beschäftigen – mal literarisch, mal analytisch, mal ganz persönlich.
Die Auswahl vereint unterschiedliche Stimmen: internationale Bestsellerautorinnen, engagierte Schweizer Denkerinnen, sachliche Analysen und provokante Essays. Die Bücher spiegeln somit nicht nur die zentralen Anliegen der Frauenzentrale Zürich wider, sondern geben auch wichtige Impulse für aktuelle Debatten rund um Gleichstellung, Sichtbarkeit und strukturelle Veränderungen.
Im Folgenden stellen wir dir unsere diesjährigen Sommer-Leseempfehlungen vor:
- Unlearn Patriarchy von Lisa Jaspers, Naomi Ryland und Silvie Horch (Hrsg.)
- Girl, Woman, Other von Bernardine Evaristo
- Unsichtbare Frauen von Caroline Criado-Perez
- Life Rebel von Yvonne Eisenring
- Die Erschöpfung der Frauen von Franziska Schutzbach
- Pick me Girls von Sophie Passmann
Unlearn Patriarchy von Lisa Jaspers, Naomi Ryland und Silvie Horch (Hrsg.)
Erscheinungsjahr: 2024
Obwohl wir im 21. Jahrhundert leben, prägt das Patriarchat nach wie vor unsere Gesellschaft: in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Sprache und in der Politik. Der Sammelband «Unlearn Patriarchy» versammelt Beiträge namhafter Autor:innen wie Emilia Roig, Kübra Gümüşay, Teresa Bücker, Kristina Lunz und Madeleine Alizadeh. Die Texte zeigen, wie tief diese Strukturen reichen und wie wir lernen können, sie zu erkennen und zu durchbrechen.
Es werden verschiedenste Lebensbereiche beleuchtet: Wie sprechen wir über Liebe und Beziehungen? Welche Vorstellungen von Mutterschaft und Weiblichkeit werden tradiert? Wie hängen Kapitalismus und patriarchale Macht zusammen? Dabei wird deutlich: Selbst Menschen mit feministischer Haltung reproduzieren häufig unbewusst patriarchale Muster, beispielsweise durch Sprache, Rollenbilder oder die Anpassung an männlich dominierte Systeme.
Beim Lesen erwischt man sich immer wieder dabei, eigene Verhaltensweisen, Urteile oder Erwartungen neu zu überdenken. Die Vielstimmigkeit des Buches verbindet theoretische Analysen mit persönlichen Erfahrungen und macht die Inhalte so greifbar und relevant für den Alltag. «Unlearn Patriarchy» ist ein eindringlicher Aufruf zum bewussten Verlernen – für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft.
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Girl, Woman, Other von Bernardine Evaristo
Erscheinungsjahr: 2022
Bernardine Evaristos Roman «Girl, Woman, Other» bietet einen einzigartigen Blick auf das Leben schwarzer Frauen in Grossbritannien über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Die Geschichte entfaltet sich über zwölf unterschiedliche Charaktere, deren Wege sich mal kreuzen, mal parallel verlaufen – und die doch alle nach Zugehörigkeit, Identität und einem Zuhause suchen.
Der Roman führt die Leser:innen vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart, von Newcastle bis Cornwall, und zeichnet ein facettenreiches Bild einer Gesellschaft im Wandel. Die Protagonist:innen bewegen sich zwischen verschiedenen Generationen, sozialen Hintergründen und sexuellen Orientierungen. Ihre Geschichten beleuchten zentrale Fragen zu Herkunft, Feminismus, Diskriminierung und persönlichem Wachstum.
Evaristo erzählt die Vielfalt schwarzer Frauenleben in Grossbritannien so, wie man das Land selbst selten liest: komplex, vielschichtig und mit grosser Empathie. «Girl, Woman, Other» öffnet den Blick auf die Verbindungen zwischen individuellen Schicksalen und den gesellschaftlichen Kräften, die sie prägen, und lädt ein, die Geschichte Grossbritanniens aus einer neuen Perspektive zu erleben.
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Unsichtbare Frauen von Caroline Criado-Perez
Erscheinungsjahr: 2020
Unsere Welt wurde überwiegend von Männern für Männer gestaltet – mit weitreichenden Konsequenzen, die oft unsichtbar bleiben. In «Unsichtbare Frauen» deckt Caroline Criado-Perez systematische Datenlücken auf, die dazu führen, dass die Hälfte der Bevölkerung schlichtweg ignoriert wird.
Anhand umfangreicher Recherchen zeigt sie, wie diese Datenlücke Frauen im Alltag benachteiligt – sei es durch fehlende sichere Herde in Küchen, mangelnden Zugang zu angemessenen Toiletten, unangepasste Bürotemperaturen oder Medikamente, die überwiegend an männlichen Probanden getestet werden. Diese scheinbar kleinen Details haben gravierende Auswirkungen auf das Leben von Frauen weltweit.
Criado-Perez plädiert eindringlich für eine Veränderung dieses Systems und fordert, Frauen sichtbarer zu machen – nicht nur in der Forschung, sondern in allen gesellschaftlichen Bereichen. Das Buch basiert auf einer intensiven Analyse von Studien und Gesprächen mit Expert:innen und ist ein kraftvoller Weckruf, bestehende Strukturen zu hinterfragen und neu zu gestalten. Ein Werk für alle, die die Welt gerechter und inklusiver gestalten wollen.
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Life Rebel von Yvonne Eisenring
Erscheinungsjahr: 2024
Was macht mich wirklich glücklich? Wie will ich leben und wie will ich meine Zeit nutzen? Yvonne Eisenring begibt sich in «Life Rebel» auf die Suche nach Antworten auf genau diese Fragen. Ihre Reise führt sie geografisch von Paris über Mexiko-Stadt bis nach Zürich, aber auch zu einem radikal anderen Lebensentwurf als der, den die Gesellschaft für junge Frauen vorsieht.
Anstatt feste Wohnsitze, klassische Karrieren oder vorgezeichnete Lebenswege zu wählen, entscheidet sich Eisenring für Freiheit, Flexibilität und ständiges Infragestellen. Sie macht neue Orte zu ihrem Zuhause, hinterfragt alte Glaubenssätze, entdeckt neue Arbeitsweisen und erlaubt sich immer wieder einen Neuanfang. Dabei erzählt sie ehrlich von Zweifeln, Brüchen und Umwegen, aber auch von der Kraft, die im bewussten Andersmachen liegt.
«Life Rebel» ist ein leidenschaftliches Plädoyer für das Rebellieren gegen gesellschaftliche Normen und für ein selbstbestimmtes Leben jenseits von Plan A – ein inspirierendes Buch für alle, die sich fragen, ob es nicht auch anders gehen könnte.
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Die Erschöpfung der Frauen von Franziska Schutzbach
Erscheinungsjahr: 2021
Frauen haben heute angeblich so viele Entscheidungsmöglichkeiten wie nie zuvor – und sind zugleich so erschöpft wie nie. In «Die Erschöpfung der Frauen» analysiert Franziska Schutzbach die verborgene Grundlage unserer Gesellschaft: ein System, das auf der permanenten Verfügbarkeit weiblicher Ressourcen basiert – emotional, körperlich, sexuell und zeitlich.
Ob in der Familie, im Beruf, in der Politik oder in den sozialen Medien: Frauen wird tagtäglich Zuwendung, Fürsorge und Anpassung abverlangt – meist unbezahlt und unsichtbar. Diese Anforderungen treffen Frauen jedoch sehr unterschiedlich, abhängig von Hautfarbe, Herkunft, Sexualität, Körper, Beruf oder sozialem Status. Schutzbach betont die Notwendigkeit intersektionaler Perspektiven, um diese strukturelle Ausbeutung in ihrer ganzen Tiefe zu verstehen.
Das Buch ist eine kluge und kraftvolle Abrechnung mit einem System, das von Frauen alles erwartet und wenig zurückgibt, sowie ein Aufruf, sich dagegen zu wehren. Denn der Widerstand gegen Erschöpfung und Verfügbarkeitsansprüche ist längst da: vielfältig, kreativ und transformativ. Schutzbach zeigt, wie dieser Widerstand zum Motor für neue, gerechtere Lebens- und Arbeitsmodelle werden kann.
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Pick me Girls von Sophie Passmann
Erscheinungsjahr: 2023
«Ich bin nicht wie die anderen Frauen» – diesen Satz haben viele schon einmal gedacht oder gesagt. In «Pick Me Girls» geht Sophie Passmann dieser Haltung auf den Grund und entlarvt sie als Überlebensstrategie in einer patriarchalen Gesellschaft, die weibliche Selbstverachtung systematisch fördert. In ihrem bislang persönlichsten Buch verbindet sie scharfsinnige Analyse mit autobiografischen Reflexionen und stellt die zentrale Frage: Wer hätte ich ohne den männlichen Blick sein können?
Passmann zeichnet ein Frauenleben nach, das exemplarisch für viele steht: Es ist durchzogen von Scham, Selbstzweifeln, Anpassung und dem Drang, begehrt zu werden. Denn in einer Welt, in der das männliche Begehren als höchste soziale Währung gilt, wird Weiblichkeit oft nur durch Anerkennung von außen bestätigt. Die Autorin seziert diese Dynamik präzise, schonungslos und mit feiner Ironie und zeigt dabei, wie tief internalisierter Sexismus in die Identitätsbildung junger Frauen eingreift.
Mit ihrem klaren Blick auf Ambivalenzen und Widersprüche eröffnet Passmann neue Räume für feministische Selbstkritik – und zugleich für Mitgefühl. «Pick Me Girls» ist ein kluges, schonungsloses und zugleich tröstliches Buch über das Frausein im Patriarchat und die Möglichkeit, sich daraus zu befreien.
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Viel Spass beim Lesen!